WGS-Burgdorf e.V. | Elementarschäden im Südosten
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Elementarschäden im Südosten

Wohin mit dem Wasser bei Starkregen

Nicht wenige Bewohner in Burgdorfs Südosten machten in den Abendstunden des 18.09.2017 nach einem außergewöhnlichen Starkregen Erfahrungen mit Überflutungen in ihren Kellerräumen. Nur handelte es sich dieses Mal nicht nur um Oberflächenwasser, sondern große Mengen von stinkendem Abwasser waren durch einen Rückstau der Kanalisation in die Häuser eingedrungen. Gut dran waren Diejenigen, die durch eine Sperreinrichtung vorgesorgt hatten.

Zu beklagen waren nicht nur feuchte, stinkende Keller. In der Nähe des Pferdemarktes hatte in die Aue überlaufendes Schmutzwasser die Ufer mit Fäkalien verschmutzt. Zwischen Pferdemarkt und Kläranlage waren zahlreiche Gullydeckel durch den Wasserdruck aus ihrer Verankerung gerissen worden.

 

Da nach dem Bau des Mischwasserüberlaufbeckens Pferdemarkt, die Bewohner im Südosten auch bei Starkregen keine Probleme hatten, richtete die WGS-Fraktion am 20.08.2017 die nachstehenden Fragen an die Stadtverwaltung:

 

 

Anfrage der Unabhängigen Wählergemeinschaft Burgdorf – WGS gemäß der Geschäftsordnung des Rates zur Sitzung des USB-Ausschusses am 11. September 2017

 

Betreff: Unzureichende Wasserabführung der Mischwasserkanalisation im Südosten Burgdorfs

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren,

 

Die Unabhängige Wählergemeinschaft Burgdorf – WGS bittet um die Beantwortung einer Reihe von Fragen zur unzureichenden Wasserabführung der Mischwasserkanalisation im Südosten Burgdorfs.

 

Sachverhalt:

In den zurückliegenden Jahren ist es wiederholt zum Rückstau von Oberflächen- und Abwässern in zahlreichen Häusern im Südostteil Burgdorfs gekommen. Mit dem Bau des Abschlagbeckens auf dem Gelände des Pferdemarktes wurde zunächst Abhilfe geschaffen.

Ausgelöst durch den Starkregen am 07.07.2017 gegen 21:00 Uhr ist jedoch wiederum sowohl Oberflächenwasser als auch mit Fäkalien verschmutztes Abwasser in Häuser unter anderem im Bereich Uetzer Str. / Schopenhauer Str. eingedrungen. Die Aue wurde ebenfalls ab dem Pferdemarkt verunreinigt (siehe HAZ vom 18.07.2017 „Fließen Fäkalien in die Aue?“), was auf einen Überlauf der Rückhaltebecken hindeutet. Auf dem Verbindungsweg Uetzer Str. zum Tierheim

hat es zudem einen Defekt an einem Gully mit erheblichem Wasseraustritt gegeben, was eine Folge einer Absperrung des Zulaufs zum Burgdorfer Klärwerk sein könnte.

 

Dieses vorausgesetzt ergeben sich folgende Fragen, um deren schriftliche Beantwortung ich Sie bitte:

 

1) Welche Auswirkungen hat der Starkregen am 07.07.2017 auf die Funktion des Abschlagbeckens Pferdemarkt gehabt?

2) Bestand auch die Gefahr des „Überlaufens“ des Klärwerkes und welche Maßnahmen sind zu dessen Schutz ergriffen worden?

3) Was war die Ursache des Wasseraustrittes aus dem Gully auf dem Verbindungsweg Uetzer Str. zum Tierheim und welche Schäden sind dadurch verursacht worden?

4) Welche Maßnahmen sind von Seiten der Verwaltung vorgesehen, um die Einwohner vor einer Wiederholung des Rückstaus von Abwässern zu schützen?

5) Reicht der Querschnitt der Abwasserleitungen insbesondere im Südosten Burgdorfs, auch im Hinblick auf die geplanten Baugebiete (Duderstädter Weg / An den Hecken), aus?

6) Für welche Einwohnerwerte ist die Kapazität der Burgdorfer Kläranlage insgesamt ausgelegt?

7) Wird die begrenzte Kapazität der Kläranlage bei der Ausweisung von neuen Siedlungsgebieten, auch in den Ortsteilen, berücksichtigt?

8) Welche Konsequenzen zieht die Stadtverwaltung aus den immer häufiger auftretenden Unwettern im Hinblick auf die Abwasserentsorgung?

9) Ist eine Trennung der Entsorgung von Oberflächen- und Abwasser geplant?

10) Warum hat die Stadtverwaltung nach den Vorgängen am 07.07.2017 die Betroffenen nicht umgehend und umfassend informiert?

11) Ergeben sich aus diesem Vorfall etwaige Entschädigungsansprüche der betroffenen Hausbesitzer an die Stadt Burgdorf?

 

gez.  Dr. Volkhard Kaever

 

Am 11.09.2017 hat die Stadtverwaltung Burgdorf der WGS-Fraktion geantwortet:

Danach besteht das Kanalnetz der Stadt Burgdorf zu 60 Prozent aus Mischwasserkanälen. Regen- und Abwasser werden zusammen abgeführt. Um Schäden an der Kläranlage, zum Beispiel das „Wegspülen“ der Bakterien zu verhindern, ist der Zufluss des Schmutzwassers zur Kläranlage begrenzt. Zum einem durch die Dimension der Kanalrohre, aber auch durch das Mischwasserüberlaufbecken unter dem Pferdemarkt.

In extremen Regensituationen, wie am 07.07.2017 kann es dann zu Überlastungen kommen, d.h. Schmutzwasser fließt zeitlich und örtlich begrenzt in die Aue oder in die Keller der Burgdorfer. In diesem Zusammenhang verweist die Stadtverwaltung auf die Verpflichtung der Hauseigentümer, entsprechende Sperreinrichtungen einzubauen.

Die Kläranlage Burgdorf ist für 35.000 Einwohnerwerte ausgelegt. Angeschlossen sind derzeit 30.000 Einwohnerwerte. Das neue Baugebiet „An den Hecken“ beeinträchtigt die Funktion der Kläranlage nicht, da nur das Schmutzwasser aufgenommen werden muss. Das Niederschlagswasser versickert im Baugebiet. Der Antwort der Verwaltung ist jedoch auch zu entnehmen, dass diese Aussage nicht für alle zukünftigen Baugebiete gilt.

Entschädigungsansprüche der geschädigten Hausbesitzer verneint die Verwaltung und verweist auf die Abwasserbeseitigungssatzung. Im Einzelfall müssten darüber Gerichte befinden.

 

 

Text: Dr. Volkhard Kaever/Günther Diercks